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Des Stadtteils grüne Lunge

Der Vegesacker Stadtgarten ist ein Kleinod der besonderen Art

Ob Winter, ob Sommer, dort ist irgendwie immer etwas los: Der Vegesacker Stadtgarten ist die grüne Lunge des Stadtteils, aber auch Treffpunkt für die Menschen und nicht zuletzt ein besonders schönes Fleckchen Erde. Die Geschichte des Stadtgartens reicht zurück bis ins frühe 19. Jahrhundert.

Damals begann die Befestigung der Uferkante an der südlichen Seite der Weserstraße. Unterhalb des heutigen Ortsamtes, das einst als Sommerhaus des Bremer Senators Fritze gebaut wurde, hatte Jahre vorher der Arzt und Botaniker Dr. Albrecht Roth seinen Botanischen Garten angelegt, der bis heute als die Keimzelle der vielfältigen Fauna des Stadtgartens gilt.

Albrecht Roth

Der gebürtige Dötlinger Roth (1757 bis 1834) machte die Kante an der Weser berühmt. Dort hatte er sich als Landphysikus niedergelassen. Vegesack gehörte damals übrigens zu Kurhannover und war somit mittelbar dem englischen König unterstellt. Ab 1789 schaffte es Roth, große Teile der Weserkante in seinen Besitz zu bringen; teilweise durch Kauf, teilweise durch Schenkungen des Königs von England. Roth gehörte schließlich der gesamte Streifen vom Fährgrund bis zum heutigen Vegesacker Balkon.

Im Hauptberuf ging Roth seiner Tätigkeit als Landphysikus nach, doch seine eigentliche Leidenschaft war die Botanik. Auf seinem Vegesacker Areal pflanzte Albrecht Roth rund 1200 Blumentöpfe mit botanischen Seltenheiten an. Berühmt wurde Roth durch die Veröffentlichung durch den ersten Band seiner „Flora Deutschlands“, erschienen 1796. Berufungen an die Universitäten Jena und Erlangen jedoch lehnte Roth ab.

Fritzesche Aktivitäten

Zeitenwende: Im Jahr 1827 ließ sich der Bremer Kaufmann und Senator C.W.A. Fritze am Weserhang am Weserhang bauen. Sieben Jahre später erweiterte Fritze seine dortigen Besitzungen und kaufte dafür auch Flächen von Albrecht Roth auf. Fritzes Sohn ließ das Sommerhaus 1875 abreißen und durch den heute als Ortsamt genutzen Bau im Stil der Neo-Renaissance errichten. Weitere Teile der ehemaligen Rothschen Besitzungen wurden an reiche Kaufleute veräußert.

Roths wissenschaftliches Streben, das hinter der Kultivierung der Vegesacker Weserkante stand, führte dazu, dass dort im Laufe des 19. Jahrhunderts ein Standort mit den Sommersitzen berühmter Bremer entstand. Die Gärten erstreckten sich bis zum Weserufer und boten Schiffsreisenden einen schönen Anblick – natürlich mit einem entsprechend exklusiven Anblick.

Ende des 19. Jahrhunderts gab es regelmäßige Dampfschifffahrten nach Vegesack. Mit dem Bau sogenannter „Ausflugs-Etablissements“ wie der „Strandlust“ im Jahr 1898, der „Weserlust“ und „Bellevue“ frohlockten die Vegesacker bis Anfang des 20. Jahrhunderts über einen regelrechten Touristenboom. Der Haken an der Geschichte: Die heutige Weserpromenade war noch nicht für die Allgemeinheit zugänglich.

Die neue Straße

Im Jahr 1923 erwarb die damals eigenständige Stadt Vegesack die einstigen Fritzeschen Privatgärten und ließ am Weserufer eine Sandstraße anlegen – die Strandpromenade war geboren. Der erste Abschnitt reichte bis zur Treppe des „Bellevue“, dem heutigen Vegesacker Balkon, der Aussichtsplattform in Verlängerung der Breiten Straße. Abschnitt zwei reichte immerhin schon bis zum Aufgang der heutigen Bermpohlstraße. Die Bedingung für den Weiterbau der Straße war, dass die angrenzenden Grundstücke mit Mauern und Zäunen gesichert werden.

Hinter dem Projekt stand der damalige Bürgermeister Dr. Wittgenstein – der die Besitzer der Grundstücke bei den Verkaufsverhandlungen zugegebenermaßen ein bisschen übers Ohr haute: Er sprach davon, am Weserufer eine öffentliche Straße zu bauen, keine Promenade. Abschnitt drei der Strandpromenade indes wurde erst 1966 durch den Ankauf von Flächen des ehemaligen Bremer Vulkan freigegeben. Im Jahr 1982 wurde zudem ein Bebauungsplan verabschiedet, der das Areal inklusive der privaten Grundstücke als öffentliche Grünanlage auswies.

Text: Ulf Buschmann

 

Impressionen


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