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Stadtteil der Seebären

Vegesack soll „Bremens maritimste Seite“ sein – ein Slogan, der sogar stimmt

Schiffegucken ist schön – zumal dann, wenn sie schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Das geht vorzüglich in Bremerhaven. Noch etwas näher dran jedoch ist der geneigte maritime Fan, wenn er sich einen Abstecher zum Vegesacker Hafen gönnt.

Mit dem Zug oder mit dem Fahrrad liegt der Hafen sozusagen im Herzen des Bremer Nordens, der Teilstadt in der Hansestadt.


In den Jahren 1619 bis 1622, also mitten im 30-jährigen Krieg, legten ihn niederländische Männer an. Vegesack sollte eine Art von Vorhafen für Bremen sein. Gut 20 Kilometer weserabwärts mussten die größeren Schiffe geleichtert werden, weil sie wegen der Versandung des Flusses die Schlachte, nicht mehr erreichen konnten.

Nach einer wechselvollen Geschichte wurden die bis 1939 eigenständige Stadt Vegesack und ihr Hafen Sitz der größten deutschen Flotte von Heringsloggern. Von 1895 bis 1968 bestimmten die Schiffe und die Bremen-Vegesacker Fischer-Gesellschaft das Leben rund ums Becken. Das letzte noch verbliebene Schiff aus dieser glorreichen Zeit ist die 1895 beim Bremer Vulkan als Gaffelketsch gebaute BV2 „Vegesack“. Sie wurde 1979/1980 restauriert und bildet seitdem das Herz von Vegesacks maritimer Tradition.

Sie hat im Übrigen sei fünf Jahren einen Namen: Vegesack darf sich als einer von zahlreichen „Museumshäfen“ bezeichnen. Und das wohl zu Recht. Denn mit Schiffen wie der BV 2 „Vegesack“, der Hansekogge „Roland von Bremen“, der 1871 für Kaiser Wilhelm II. gebauten Gaffelketsch „TS Atlantic“ oder dem einst in Bremerhaven stationierten und noch immer voll funktionstüchtigen „Feuerlöschboot 1“ können Fans und solche, die es werden wollen, in die maritime Geschichte Bremens eintauchen.

Doch der Vegesacker Hafen ist nur eine Möglichkeit es zu tun, und wer sich schon einmal auf die Spuren von Schiffen und Meer begibt, sollte unbedingt die „Schulschiff Deutschland“ entern. Es ist nicht nur das letzte noch erhaltene Vollschiff in deutschen Gewässern, sondern hat den Status eines maritimen Museums. Auf der „Schulschiff Deutschland“ sind die Räume so erhalten, wie sie die Konstrukteure erdacht hatten, bevor es mit seinen 86 Metern Länge anno 1927 bei der Bremerhavener Tecklenborg-Werft vom Stapel lief.

Wer den „weißen Schwan“ der Unterweser, wie sie auch genannt wird, betritt, hat die Möglichkeit, das Schiff auf eigene Faust zu erkunden oder an einer der Führungen teilzunehmen – beides lohnt sich, denn diejenigen, die die Besucher in die Geheimnisse der Seebären einweihen, sind in der Regel selbst ehemalige. Die Gästeführer wissen nicht nur im Detail über die „Schulschiff Deutschland“ Bescheid, sondern haben auch allerhand Seefahrer-Döntjes auf dem Kasten.
Hafen, „Schulschiff Deutschland“, sie sind seit dem Jahr 2000 Bestandteil der sogenannten Maritimen Meile, die seit dem vergangenen Jahr am „Schaufenster Bootsbau“ endet.

Auf dem einstigen Gelände des Bremer Vulkan können die Besucher mehr oder minder hautnah mitverfolgen, wie kleine und große Boote entstehen. Es ist täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet und um 14 Uhr finden dort Führungen statt. Nur am Wochenende ist es dort tot, denn das „Schaufenster Bootsbau“ gehört zum Beschäftigungsträger Bremer Bootsbau Vegesack (BBV) – und dort wird am Sonnabend und Sonntag eben nicht gearbeitet.
Dafür soll es am anderen Ende der Maritimen Meile gleich neben Hafenbecken und Schulschiff ab September eine weitere maritime Attraktion geben: Der Hafenspeicher, den Johann Lange im 18. Jahrhundert erbauen ließ bekommt eine multimediale Dauerausstellung zur Geschichte Vegesacks und des Schiffbaus an der Unterweser. Allerdings ist bislang noch nicht klar, ob es die Macher des Projekts bis zum Herbst schaffen. Denn eigentlich sollte es bereits im Juni losgehen.

Abrunden lässt sich der Trip in das Herzen Bremens Nords mit einem kleinen Spaziergang durch den Stadtgarten, dessen Ursprünge auf den Botaniker Albrecht-Wilhelm Roth zurückgehen. Der 1757 in Dötlingen geborene Pastorensohn wirkte als Arzt in Vegesack. Doch seine wahre Leidenschaft war die Botanik. Da verwundert es nicht, dass Roth die erste Systematik der deutschen Gewächse veröffentlichte.
Die Spuren seines Wirkens sind noch immer in Form eines umfangreichen Bestands an exotischen Büschen und Bäumen sowie heimischen Gewächsen sichtbar. Der Vegesacker Stadtgarten ist das grüne Herz des Stadtteils und zieht sich das ganze Weserufer entlang – genau unterhalb der Weserstraße, der allein schon wegen seiner Architektur einen Spaziergang wert ist.
Die Weserstraße ist der einzig noch in Bremen erhaltene Straßenzug, der einen alleeartigen Charakter hat.

Zum Weserhang hin stehen die hochherrschaftlichen Häuser, die die einstmals mächtigen Kaufmannsfamilien als Residenz und Sommersitze erbauen ließen. Auf der anderen Seite hingegen, sind die einzigartigen Kapitänshäuser erhalten geblieben, die von der großen Vergangenheit Vegesacks als Seefahrerstadt künden – ein Flair, das eben bis heute erhalten hat.

Text: Ulf Buschmann

 

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