Für Erhalt des
„Muddy“

Vorstoß der Vegesacker CDU-Beiratsfraktion – Betreiber könnte das Kulturbüro Bremen-Nord sein

Von Ulf Buschmann

Ende Januar geht eine Ära zu Ende – die traditionsreiche Musikkneipe „Muddy“ schließt dann für immer. Das will die CDU nicht hinnehmen. Sie fordert den Erhalt des „Muddy“. So steht es in einem Antrag der Vegesacker Beiratsfraktion, den Beiratssprecher Torsten Bullmahn auf den Weg gebracht hat. Die Traditionskneipe am Bahnhof müsse in der „bestehenden Form“ bestehen bleiben. Dafür fordern die Christdemokraten ein „nachhaltiges Konzept“. Und: „Lösungen sind mit der Wirtschaftsförderung und dem Senator für Kultur zu erarbeiten.“
Das ,,Muddy“ könne „für Live – Musik, Theater und viele weitere Veranstaltungen aller Art genutzt werden“. Übergangsweise stellt sich die CDU vor, die Kneipe den Rentnerinnen und Rentnern zur Verfügung zu stellen, die sich bis Ende vergangenen Jahres in der mittlerweile geschlossenen Begegnungsstätte des Bremer Roten Kreuzes an der Meinert-Löffler-Straße getroffen haben.

Teil des Kulturbüros Bremen-Nord?

Zuständig für das „Muddy“ kann nach Vorstellung der Christdemokraten zum Beispiel künftig das Kulturbüro Bremen-Nord sein. Dieses ist die Dachgesellschaft der vier großen Nordbremer Kulturzentren Gustav-Heinemann-Bürgerhaus, Kito, Kulturbahnhof und Overbeck-Museum. Wie die Zukunft für das „Muddy“ genau aussehen kann, sollen die Wirtschaftsförderung Bremen (WfB) und die Kulturbehörde erklären. An dem Konzept sollen laut CDU-Antrag die Stadtteilpolitikerinnen und -politiker mitwirken.
Hintergrund der geforderten gemeinsamen Überlegungen: Die WfB verwaltet einen Teil der Grundstücke und Gebäude der Stadtgemeinde Bremen. Dazu gehört auch das Vegesacker Bahnhofsgebäude, in dem sich das „Muddy“ befindet. Die Kulturbehörde wiederum, der Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) als Senator vorsteht, überweist dem Kulturbüro jedes Jahr rund 500.000 Euro an sogenannter institutioneller Förderung.

Treffpunkt und Begegnungsstätte

Bis die Zukunft des „Muddy“ gesichert ist, könnte es laut CDU-Überlegung übergangsweise als Ersatztreffpunkt für Rentnerinnen und Rentner genutzt werden. Im Blick hat die Partei die Menschen, die bis zur Schließung Ende 2019 in die Begegnungsstätte des Roten Kreuzes an der Meinert-Löffler-Straße kamen. Der Verband hatte sich Ende vergangenen Jahres wegen des hohen Sanierungsbedarfs für die Schließung entschlossen.
Inneneinrichtung erhalten
Voraussetzung für die weitere Nutzung des „Muddy“ laut Antrag: „Die Inneneinrichtung, bestehend aus allen zur Verfügung stehenden Geräten, dem Gestühl, der Bühne sowie der Tresenanlage, müssen ein Bestandteil der kulturellen Einrichtung bleiben.“ Das Geld für die Übernahme der Inneneinrichtung könnte „mithilfe von Spenden beziehungsweise Konzerten von bekannten ortsansässigen Bands“ aufgebracht werden.

Kultureller Bestandteil Vegesacks

Ihren Vorstoß begründet die CDU damit, dass das „Muddy“ ein „traditioneller sowie Kultureller Bestandteil unserer Gesellschaft in Vegesack“ ist. Und: „Eine dauerhafte Schließung dieser Lokalität wäre für den Bereich des Vegesacker Bahnhof ein großer Verlust und eine vergebene Chance, Vegesack attraktiver zu gestalten.“
Das „Muddy“ war einst die Vegesacker Bahnhofsgaststätte. Das Leben als beliebte und traditionsreiche Musikkneipe hatte Ende der 1980er-Jahre begonnen. Anfangs hieß sie „Jazz-Lok“. Mit Beginn der 1990er-Jahre kam die neue Betreiberin Martina Eicken ins Spiel und benannte die „Jazz-Lok“ in „Muddy“ um. Der neue Name lese sich wie „Muddi“, meinte ein Gitarrenheld damals. Genau das war Martina Eicken für viele Nordbremer Musikerinnen und Musiker.

Heiko Grebesich übernimmt

Im Jahr 2002 dann der Stabwechsel: Neuer Betreiber wurde Heiko Grebesich. Er hatte laut einem Bericht der NORDDEUTSCHEN vom 20. Dezember 2019 im Jahr 1994 im „Muddy“ als Aushilfe angefangen. In den folgenden Jahren entwickelte sich das „Muddy“ nicht nur für lokale Bands zu einer wichtigen Spielstätte. Bands aus dem ganzen Bundesgebiet machten Station in Vegesack. Dazu gehörten Lake, die Hamburg Blues Band und immer wieder Hannes Bauer.

Negative Entwicklung(en)

Doch das „Muddy“ machte auch negative Schlagzeilen – so etwa im Jahr 2014, als sich ein gewaltbereiter Mob nach dem Fußball-WM-Finale auf dem Bahnhofsplatz sowie vor der Kneipe austobte. Dabei gingen unter anderem diverse Fensterscheiben zu Bruch.
Aber auch jenseits dessen litt der Ruf des „Muddy“ zunehmend. Davon betroffen ist bis heute vor allem die bislang jeden Sonnabend laufende „Disse“. Die Besucher blieben zunehmend aus, die Anzahl der Tänzerinnen und Tänzer wurde überschaubar. Ein Grund dafür war, dass sich nach Meinung vieler ehemaliger „Muddy“-Besucher die Atmosphäre verschlechtert habe.

Unterpächter mit wenig Erfolg

Einen Neustart sollte es mit einem neuen Unterpächter geben. Den fand Grebesich im Jahr 2017 mit Andreas Kiecol. Er übernahm das „Muddy“ Anfang 2018. Doch der Neue hinterm Tresen hatte geschäftlich nicht viel Glück. Schon am 1. August wurde über sein Vermögen sowie über das des ebenfalls Kiecol ebenfalls gehörenden A.K. Sicherheitsdienst das Insolvenzverfahren vor dem Amtsgericht Bremen eröffnet. Darüber informiert das Justizportal des Bundes und der Länder.

Noch zwei Mal Disse

Deshalb ist Grebesich erst einmal wieder eingestiegen – allerdings nur übergangsweise beziehungsweise zum Abwickeln. Denn einen neuen Betreiber gibt es nicht. Deshalb gab am 10. Januar es ein Abschiedskonzert mit den Nordbremer Lokalmatadoren „Crossfire“. Am 17. ist nochmal Rock Disse mit Andre und am 18.01.20 gibt es eine Clubnight mit DJ  Marvin- dann ist endgültig Schluss. Der Pachtvertrag mit der Stadtgemeinde beziehungsweise Immobilien Bremen läuft am 31. Januar aus.
Wie es mit dem „Muddy“ ab Februar weitergeht, ist zurzeit unklar. Beiratssprecher Torsten Bullmahn sagt gegenüber dem Stadtteilportal vegesack.de, dass er erst einmal die nächste Beiratssitzung am 20. Januar abwarten möchte. Das „Muddy“ werde dort thematisiert. Außerdem setzt er auf Gespräche mit Immobilien Bremen und der Kulturbehörde.