Ein Vegesacker Junge
reist mit dem Fahrrad um die Welt

und wir begleiten ihn dabei. Eine Reportage von Daniela Schilling

Von Vegesack in die Welt! Eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn von hier aus starteten früher die großen Walfänger zu ihren Touren in die Arktis. Schiffe, die über alle Meere fahren, werden hier bis heute gebaut oder repariert und jeder, der schon mal am Utkiek stand und eines der riesigen Frachtschiffe an sich vorbeifahren sah, hat den Hauch der großen weiten Welt gespürt. Doch statt großer Pötte oder einer schnittigen Jacht ist vor ein paar Tagen ein ganz anderes Gefährt zu einer Weltumrundung aufgebrochen: ein Fahrrad. Gebaut im Radstudio in der Fußgängerzone. Gelenkt wird das grellgrüne Gefährt von Christof Nordmeier, dem ehemaligen Vegesacker Jungen von 2008. Schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Kilometer will er in den nächsten 1,5 Jahren zurücklegen. Was er dabei erlebt könnt Ihr ab sofort in dem Bremen Nord Blog lesen.

Wie jetzt? Eine Weltumrundung mit dem Fahrrad? Wer ist denn so verrückt?

Das war mein erster Gedanke, als ich von Christofs Plan hörte. Ich stellte mir einen ganz bestimmten Typ Extremsportler vor, einen von denen, die man schon auf den ersten Blick erkennt. Als Motivation auf solch eine Reise zu gehen fiel mir ebenfalls nur der sportliche Aspekt ein. Etwas in der Art wie Ironman XXL. Doch dann stand Christof vor mir und erfüllte so gar keine meiner Vorstellungen. Ja gut, dass er viel Rad fährt, sieht man ihm an, genauso wie seine Vergangenheit als Leistungsruderer aber da hört es auch schon auf. Auch seine Intention ist ganz anders als erwartet. Ihm geht es vor allem darum, sich selbst besser kennenzulernen, und mehr von der Welt zu sehen. Das alles in einem Tempo, in dem man seine Umgebung noch bewusst wahrnehmen kann. „Man ist schneller als zu Fuß und schafft einiges an Kilometer“, erklärt er mir. Per Auto zu reisen kommt für ihn nicht infrage, denn er möchte die Klimabilanz seiner Tour möglichst geringhalten.

Wenn das Reisefieber Überhand nimmt

Christof ist waschechter Vegesacker. 2008 gehörte er zu den drei amtierenden Vegesacker Jungen und war lange im Vegesacker Ruderverein aktiv. Ausbildung und Studium brachten ihn später jedoch an ganz andere Orte. So lebte er in Basel, wie auch in den USA und leistete Freiwilligenarbeit in Südamerika, wo er als Ruderlehrer aushalf. Solange, bis es ihn wieder zurück in die Heimat zog. Allerdings scheint ihn das Reisefieber dauerhaft infiziert zu haben, denn lange hielt es ihn nicht im Norden. Schon knapp ein Jahr nach seiner Rückkehr traf er die Entscheidung wieder loszuziehen. Ein Stück Vegesack wird er jedoch immer dabeihaben, denn sein Fahrrad ist ein Vegerad, das ganz auf seine Bedürfnisse hin angefertigt wurde. Technischen Schnickschnack gibt es an dem auffälligen Bike nicht, dafür aber jede Menge Komponenten, die praktisch und extrem haltbar sind. So kann Christof entweder selbst Hand anlegen oder bei größeren Schäden die Schrauber vor Ort fragen. Der Stahlrahmen zum Beispiel kann auch von einem Autobastler irgendwo im nirgendwo geschweißt werden.

Update 04.03.2019

Neues von unserem Vegesacker Jungen auf Weltreise: Nach einem kurzen Stopp in Montevideo ist Christof nun zur ersten Etappe seiner großen Tour aufgebrochen. Aktuell durchradelt er Uruguay. Lange allein geblieben ist er nicht, denn bereits ab Kilometer 35 traf er auf eine Gruppe Radfahrer, mit der er einen Teil der Tagesstrecke zurücklegte. Am 03. März machte er dann Halt in Punta Ballena und wandelte auf Künstlerspuren. Denn auf der Landzunge steht das „Casapueblo“, ein Bauwerk des bekannten Künstlers Carlos Páez Vilaró.

Update 21.03.2019

Und er fährt und fährt und fährt… Unser Vegesacker Junge Christof ist inzwischen in Brasilien und radelt auf direktem Weg Richtung Sao Paulo. Fast 1000 Kilometer hat er schon geschafft und dabei einige neue Bekanntschaften gemacht: mit anderen Radreisenden, deutschstämmigen Brasilianern und Mücken, die einen um den Schlaf bringen. Auch unerwartete Herausforderungen wollten gemeistert werden. Wer denkt zum Beispiel bei der Planung zu solch einer Reise daran, wo man seine Wäsche regelmäßig waschen kann? Oder was macht man, wenn der Wind plötzlich dreht und die eigene Beinkraft nicht ausreicht, um dagegen anzukommen?

Mehr über Christofs Abenteuer während der ersten Wochen seiner Tour gibt es demnächst auf dem bremennordblog zu lesen. Noch mehr „Behind the Scenes“ finden sich auf Christofs Instagramprofil baerlauch_goes_wild.

Update 09.05.2019

Lange nix mehr gehört von unserem Vegesacker Jungen! Für alle, die sich fragen, wie es ihm geht, hier ein kurzes Update:

Christoph ist noch immer in Brasilien unterwegs und hat Sao Paulo hinter sich gelassen. Erlebt hat er eine Menge, darunter eine Hochzeit von Freunden, einen Segelturn, einen Besuch beim Zahnarzt und vieles mehr. Während er quer durchs Land radelt, macht er jede Menge neue Bekanntschaften – Couchsurfing sei Dank.

Welche Entdeckungen und Erfahrungen Christoph während seiner mittlerweile drei Monate auf Tour gemacht hat gibt es demnächst ausführlicher auf dem BremenNordBlog zu lesen. Wir bleiben dran!

Update 11.06.2019

Wer reist, die Welt sieht und neue Menschen kennenlernt denkt selten an die Gesundheit. Muss man auch nicht wenn alles gut geht – das tut es jedoch nicht immer. Auch Christof hat es erwischt. Nach einiger Zeit Funkstille meldete er sich mit der Nachricht, dass er ein paar Tage im Krankenhaus verbringen musste. Er hatte sich durch den Stich einer Mücke mit dem Dengue-Fieber infiziert. Inzwischen geht es ihm aber wieder gut und er kann mit neuem Elan in die Pedale treten.

Update 19.06.2019

Ausgangssperre in Palomino (Kolumbien). Das Militär und der US-Gemeindienst sucht einen Terroristen und Drogenboss, der an die USA ausgeliefert werden soll. Da sich dieser in den Bergen der Sierra Nevada versteckt, dürfen die Anwohner ab 18 Uhr ihre Häuser nicht mehr verlassen. Drei Tage dauert dieser Ausnahmezustand.

Update 12.07.2019

Christof ist wohlbehalten in Honolulu angekommen. Er ist jetzt weiter weg von Zuhause wie jemals zuvor, was für etwas Heimweh sorgt. Beim in Empfang nehmen seiner Fahrradbox entdeckt der Weltenbummler außerdem, dass der Zoll die Box geöffnet und kontrolliert hat. Zum Glück ist dabei aber nichts zu Bruch gegangen. Das Heimweh verfliegt jedoch schnell, als Christof beginnt die Insel per Rad zu erkunden: Die Landschaft ist einfach überwältigend. Beim Besuch von bekannten Orten wie Pearl Habour sowie beim Schnorcheln, Wandern und Laufen mit seinen Gastgebern taucht er ganz in das Inselparadies ein.