Zukunft des
„Muddy“ weiter unklar

Nach CDU-Vorstoß: Kulturbüro Bremen-Nord steigt nicht als Betreiber ein

„Bei uns gibt es keine Überlegungen, und es ist auch nicht leistbar.“ Programmgeschäftsführer Malte Prieser spricht klar und deutlich aus, wie das Kulturbüro Bremen-Nord zu einem Einstieg als Betreiber der „Muddy“ steht. Damit reagiert Prieser auf den Vorstoß von Vegesacks Beiratssprecher Torsten Bullmahn und der CDU-Fraktion im Stadtteilgremium zu Erhalt der traditionsreichen Musikkneipe. Anstatt das „Muddy“ selbst als weitere Kulturstätte zu nutzen, „haben wir das als Tipp an möglicherweise geeignete Partner weitergegeben“, sagt Prieser.
Wie vegesack.de berichtet, gibt Pächter Heiko Grebesich das „Muddy“ auf – der Pachtvertrag mit der zuständigen Wirtschaftsförderung Bremen, WfB, läuft zum 31. Januar aus. Grebesich hatte die Kneipe zum Jahresbeginn 2018 an Unterpächter Andreas Kiecol abgegeben. Doch gegen das „Muddy“ und seine Sicherheitsfirma wurde bereits zum 1. August vor dem Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren eröffnet. Grebesich stieg im vergangenen Jahr deshalb selbst wieder ins operative Geschäft ein. Parallel suchte er einen neuen Unterpächter – vergeblich.

Netzwerk frühzeitig aktiviert

Dass mit dem „Muddy“ nach einer „Rockdisse“ an diesem Freitag, 17., sowie einer „Clubdisse“ am Sonnabend, 18. Januar, endgültig Schluss ist, bedauert Prieser. Er bezeichnet Noch-Pächter Grebesich als „tollen Partner“ mit vielen Anknüpfungen zum Kulturbüro. Das „Muddy“ habe in Bremen-Nord mit seinem Platz für 200 Besucherinnen und Besucher eine Lücke im Angebot geschlossen. Gleichwohl komme das Kulturbüro als Betreiber nicht infrage.
Egal ist Prieser und seinen Leuten das „Muddy“ denn auch nicht. Um einen Beitrag zum Erhalt als Kulturstätte zu leisten, sei das Netzwerk der Kulturmacher schon vor längerer Zeit aktiviert worden. Bislang jedoch seien auch in diesem Bereich alle Bemühungen erfolglos gewesen. Angesichts dieser Umstände wird es in der einstigen Bahnhofsgaststätte ab 19. Januar ruhig.

WfB denkt über Bahnhofsgebäude nach

Wie lange dieser Zustand anhält, ist zurzeit nicht klar. Doch 100 Jahre wie im Märchen werden es sicherlich nicht sein. Dass in diesem Bereich etwas geschehen soll, sagt WfB-Sprecherin Juliane Scholz auf Nachfrage von vegesack.de: „Wir denken zurzeit über eine grundlegende und zeitgerechte Modernisierung des Bahnhofsgebäudes nach. In diesem Zusammenhang beschäftigen wir uns mit der Frage, in welcher Form es künftig eine gastronomische Einrichtung in dem Gebäude im Zusammenspiel mit den weiteren Nutzungsvorstellungen geben kann.“ Näheres lasse sich das noch nicht sagen, erklärt Scholz außerdem: „Unsere Überlegungen stehen noch am Anfang.“
Dass sich die WfB und nicht die sonst für alle stadtbremischen Gebäude und Grundstücke zuständige Immobilien Bremen über das Vegesacker Bahnhofsgebäude Gedanken machen muss, hat einen Grund: Es gehört zum sogenannten Sondervermögen Gewerbe, wie in Bremen-Nordunter anderem das BWK-Gelände in Blumenthal. „Dieses Sondervermögen verwaltet die WFB im Auftrag Bremens“, sagt Scholz.

Kulturbehörde reagiert knapp

In Sachen Zukunft des „Muddy“ bringt Beiratssprecher Bullmahn zwecks gemeinsamen Findens einer Lösung nicht nur die WfB, sondern auch die Kulturbehörde ins Spiel – Senator: Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Schließlich sei die Kneipe bislang auch eine wichtige Kulturstätte gewesen, so die Begründung.
Trotzdem, so scheint es, fühlt sich die Kulturbehörde nicht so recht zuständig. „Rein gastronomische Betriebe fallen in die Zuständigkeit der Senatorin für Wirtschaft. Richtet eine Kneipe ein Kulturprogramm aus, das sich finanziell nicht trägt, kann sie beim Senator für Kultur Anträge auf Projektmittel stellen, die von einer Fachjury begutachtet werden“, sagt Sprecherin Alexandra Albrecht.

Haushaltslose Zeit

vegesack.de hat wissen wollen, ob sich das Kulturressort an einer Lösungsfindung für das „Muddy“ beteiligen würde und wie diese aussehen könnte. Außerdem hat vegesack.de gefragt: „Sehen Sie seitens der Kulturbehörde finanziellen Spielraum, um dem Kulturbüro Bremen-Nord eine höhere institutionelle Förderung zur Verfügung zu stellen?“ Albrecht verweist darauf, dass das Land und somit auch die Stadtgemeinde Bremen zurzeit keinen regulären Haushalt hätten. Angesichts dessen „ist es uns gar nicht möglich, neue Verpflichtungen einzugehen“.

von Ulf Buschmann